Gruppe blickt vom Panoramaraum des vorarlberg museums über den Bodensee.

Begegnungen auf Augenhöhe

Praxis-Tipps für die Interaktion mit Menschen mit Behinderungen

Die folgenden Tipps zeigen praxisnah, worauf es bei der Interaktion mit unterschiedlichen Menschen ankommt – mit dem Ziel, Barrierefreiheit nicht nur strukturell, sondern auch zwischenmenschlich zu leben.

Allgemeine Grundsätze für die Interaktion mit Gästen mit Behinderungen

  • Mit Respekt, Geduld und auf Augenhöhe kommunizieren – verbal und nonverbal.
  • Nicht belehren oder bemitleiden – sondern selbstverständlich begegnen.
  • Direkt mit dem Gast sprechen, nicht über die Begleitperson.
  • Bedürfnisse aktiv erfragen: „Gibt es etwas, das wir für Ihren Aufenthalt wissen sollten?“
    Allgemeine Grundsätze für die Interaktion mit Gästen mit Behinderungen
  • Unterstützungsangebote freundlich und unaufdringlich formulieren – immer vorher
    fragen.
  • Detaillierte, sinnvolle Informationen zu Ausstattung und Services geben – abgestimmt
    auf unterschiedliche Wahrnehmungsformen und Bedürfnisse.
  • Barrierefreiheit entsteht auch im Kopf: Eigene Unsicherheiten reflektieren.

Spezifische Hinweise für die Interaktionen mit …

… Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

  • Kommunikation auf Augenhöhe – bei Bedarf hinsetzen, und/oder auf einen uneingeschränkten Blickkontakt
    achten.
  • Rollstühle nicht ungefragt schieben.
  • Keine Hebeversuche bei Stufen ohne Einwilligung und Wissen über die Technik.

… Menschen mit Sprachbeeinträchtigungen

  • Ausreden lassen – den Gästen Zeit zum Antworten geben.
  • Bei Unklarheiten freundlich nachfragen.
  • Geduld zeigen, wenn Kommunikation mehr Zeit braucht.

… Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen

  • Geduldig und verständnisvoll agieren – auch bei unsichtbaren Belastungen.
  • Check-in/-out möglichst stressfrei gestalten.
  • In akuten Situationen ruhig bleiben, Sicherheit und Unterstützung anbieten (z. B. Wasser, Rückzugsort).

… Menschen mit kognitiven Einschränkungen

  • Langsam, klar und in einfacher Sprache sprechen – auf Fremdwörter und Abkürzungen verzichten.
  • Verständlichkeit nachfragen oder Wiederholungen anbieten.
  • Piktogramme, Bilder oder Icons verwenden.
  • Hilfe aktiv anbieten (z.B. zur Orientierung im Haus oder zum Ausfüllen von Formularen).
  • Keine automatische Du-Anrede – gleiche Höflichkeitsformen wie bei allen Gästen.
  • Verwendung zeitgemäßer Begriffe – zum Beispiel „Menschen mit Lernschwierigkeiten/kognitiven Einschränkungen“ statt „geistige Behinderung“.

… schwerhörigen oder gehörlosen Gästen

  • Augenkontakt halten, Lippen nicht verdecken – deutlich sprechen, nicht schreien.
  • Störgeräusche vermeiden, kurze Sätze verwenden.
  • Schriftlich oder digital kommunizieren, wenn nötig.
  • Induktive Höranlage nutzen, wenn vorhanden.
  • Aufmerksam machen durch z. B. leichtes Antippen der Schulter.
  • Bei Bedarf Einbindung eines/einer Gebärdensprachdolmetscher:in – dabei berücksichtigen, dass sich die Gebärdensprachen in Deutschland und Österreich unterscheiden.

… sehbeeinträchtigten oder blinden Gästen

  • Erst fragen, bevor Sie führen oder helfen – ggf. den eigenen Arm anbieten.
  • Namen erfragen, um Gesprächspartner:innen direkt anzusprechen.
  • Umgebungsgeräusche bei Gesprächen minimieren.
  • Wechselgeld direkt in die Hand des Gastes geben.
  • Inhalte auch verbal oder digital zugänglich machen (z. B. QR-Codes, Blindenschrift).
  • Sichtbare Handlungen kommentieren: „Ich lege den Schlüssel vor Sie auf 12 Uhr.“
  • Assistenzhunde nicht ablenken – sie sind ein wichtiges Hilfsmittel.
  • Auf gute und blendfreie Beleuchtung achten.