Zwei Mountainbiker:innen fahren auf einem naturbelassenen Singletrail am Muttersberg bei Bludenz in Vorarlberg durch lichten Wald, über Wurzeln und entlang üppiger Vegetation.

Vorarlberg Tourismus unterstützt die Weiterentwicklung von MTB- und Radangebot in Vorarlberg

Wie gemacht fürs Rad

16. April 2026

Vorarlberg bietet 520 Kilometer ausgewiesene Radwege – entlang des Bodensees, von Kulturgütern, Pässen und über Landesgrenzen hinweg. Genutzt werden sie von Fans aller Disziplinen: Die unterschiedlichen Fahrräder eignen sich für unterschiedliche Fitnesslevel und Vorlieben. Und das Angebot entwickelt sich weiter: Neue Radtypen, Touren und Strecken entstehen.

Ob Alltag, Sport oder Genuss – das Rad hat in den vergangenen Jahren in jedem dieser Lebensbereiche an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten: Den Boden dafür bereitet haben technische Entwicklungen, das wachsende Gesundheitsbewusstsein sowie der Outdoor-Boom während der Corona-Pandemie. Neben den Klassikern Freizeitrad, Rennrad und Mountainbike gewinnen das Gravelbike, der Allrounder unter den Rädern, und das E-Bike, das größere Distanzen ermöglicht und neue Nutzergruppen erschließt, an Zuspruch.

Vorarlbergs Topografie ist prädestiniert dafür: Rennradfahrer:innen kommen etwa am Bodensee, im Bregenzerwald, auf den spektakulären Alpenpässen und im Rheintal auf ihre Kosten, Mountainbiker:innen in den Bergregionen. „Die Sportart wird zunehmend mit Natur, Kulinarik und Kultur kombiniert und so für viele zum umfassenden Erlebnis in unserer Region“, sagt Maximilian Hugl, MTB- & Freizeitrad-Koordinator bei Vorarlberg Tourismus. „Das Interesse ist erfreulich, birgt aber auch Herausforderungen für Natur und Mensch: Der Nutzungsdruck steigt. Deshalb investieren wir aktuell verstärkt in Besucherlenkung, Infrastruktur und Kommunikation.“

Neues Rad – passendes Angebot
Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und das respektvolle Miteinander mit anderen Sportler:innen (Stichwort: „Bike-Kodex Vorarlberg“) steht bei der Entwicklung neuer Angebote im Vordergrund: Diese basieren auf Strukturen, die es bereits gibt. Aktuelles Beispiel sind zwölf Touren für Gravelbiker:innen, die Vorarlberg Tourismus gemeinsam mit externen Partnern ausgearbeitet hat.

„Unser Ziel war es, attraktive Gravelbike-Erlebnisse zu schaffen und dabei bewusst auf vorhandene Infrastruktur zurückzugreifen“, so Hugl. Die Touren kombinieren bestehende Radwege, öffentliche Straßen und das offizielle Mountainbike-Streckennetz. „Oft geht es darum, Wege neu zu denken und digital sichtbar zu machen.“

Diese Vorgehensweise kommt Gravelbike-Begeisterten besonders zugute: Die abwechslungsreichen Routen bewegen sich zwischen Berg und Tal, Asphalt und Schotter und führen dabei durch ganz Vorarlberg – von leichteren Strecken bis hin zu anspruchsvollen Routen.

Zwei Radfahrer:innen fahren auf einer ruhigen Straße durch die blühende Kulturlandschaft bei Bludenz in Vorarlberg, vorbei an Obstbäumen, Holzzäunen und ländlicher Bebauung.
Verlauf des Rheinradwegs EuroVelo 15 auf der Landkarte

„Wir bringen eine übergeordnete Perspektive ein – beraten strategisch, vernetzen und vermitteln zwischen den Akteur:innen."

Maximilian Hugl, MTB- & Freizeitrad-Koordinator bei Vorarlberg Tourismus

Mountainbike als Chance für kleinere Skigebiete
Sinkende Schneesicherheit stellt gerade kleinere Skigebiete vor wirtschaftliche Herausforderungen. Die Antwort sind oft neue Sommerangebote: neben Wandern zum Beispiel Möglichkeiten zum Mountainbiken. Vorarlberg Tourismus bietet interessierten Betreiber:innen Unterstützung bei der Projektentwicklung an. „Die Nachfrage und die Lifte sind meist vorhanden“, so Hugl zu den Voraussetzungen.

Basis für ein solches Projekt ist ein tragfähiges Konzept. Denn: „Wege gibt es für Wanderer, Forst- und Güterverkehr, Mountainbikestrecken verlaufen teilweise darauf. Interessant für solche Skigebiete sind vor allem Trails, die mit den Liften oder per E-Bike zu erreichen sind. Bei solchen Planungen ist es entscheidend, alle Akteur:innen einzubinden, um Konflikte zu vermeiden. Dazu gehört eine gute Abstimmung und die wertschätzende Zusammenarbeit mit allen Stakeholder wie etwa Grundbesitzer:innen“, fasst Maximilian Hugl zusammen.

Eine zentrale Rolle spielt die Streckenführung. Unterschiedliche Nutzungen – etwa Wandern und Mountainbiken – gilt es zu entflechten, um Auseinandersetzungen zu vermeiden. Gleichzeitig braucht es klare Regeln und Kommunikation, damit die Sportler:innen auf den vorgesehenen Trails bleiben und keine Abkürzungen durch Wald oder Wiesen nehmen.

Koordination als Schlüssel für nachhaltige Entwicklung
Angebotsentwicklung geht damit weit über die Streckenplanung hinaus. Genau hier setzt die Koordinationsarbeit von Vorarlberg Tourismus an: „Wir bringen eine übergeordnete Perspektive ein – beraten strategisch, vernetzen und vermitteln zwischen den Akteur:innen“, so Hugl. Projekte werden nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Kontext eines landesweiten Rad- und Mountainbike-Systems. „Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass das Angebot nachhaltig und gemeinsam mit allen Beteiligten geplant wird.“ Radfahren und Mountainbiken sollen sich im Sinne eines qualitätsorientierten Ganzjahrestourismus weiterentwickeln – im Einklang mit Natur, Landwirtschaft und den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung.

Ein zentrales Instrument dieser Koordinationsarbeit ist der Leitfaden zur Mountainbike-Angebotsentwicklung. „Mit diesem Leitfaden schaffen wir eine gemeinsame Orientierung für alle, die im Thema Mountainbike etwas entwickeln wollen. Er hilft dabei, Projekte strukturiert anzugehen und von Anfang an im Gesamtsystem zu denken – von der ersten Idee über Planung und Abstimmung bis hin zu Umsetzung, Nutzung und Weiterentwicklung“, sagt Maximilian Hugl.

Ausgangspunkt ist dabei ein bereits umfangreiches Angebot: In Vorarlberg stehen rund 1.300 Kilometer ausgewiesene Mountainbike-Strecken auf Asphalt- oder Schotterwegen zur Verfügung, die sich über das gesamte Land verteilen und eine wichtige Basis für die Nutzung bilden. Gleichzeitig hat sich das Themenfeld in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Neue Nutzungsformen wie E-Mountainbiken erschließen zusätzliche Zielgruppen und ermöglichen größere Reichweiten. Parallel dazu steigt die Nachfrage nach differenzierten Angebotsformen wie Singletrails, Trailcentern und Bikeparks oder technisch gestalteten Strecken. Diese Entwicklungen führen dazu, dass bestehende Infrastrukturen zunehmend ergänzt und weitergedacht werden müssen. Während klassische Forst- und Güterwege weiterhin eine wichtige Grundlage darstellen, gewinnen spezifisch für das Mountainbiken konzipierte Angebote an Bedeutung – sowohl für die Attraktivität als auch für eine gezielte Besucher:innenlenkung.

Der Leitfaden setzt genau hier an. Er versteht sich bewusst nicht als starres Regelwerk oder vollständige Anleitung, sondern als praxisnahe Hilfestellung. Ziel ist es, die Weiterentwicklung von einem rein reaktiven Umgang mit bestehenden Strukturen hin zu einer aktiven, abgestimmten Angebotsentwicklung zu unterstützen. Er bündelt bestehendes Wissen, zeigt zentrale Zusammenhänge auf und hilft dabei, Projekte im komplexen Zusammenspiel von Raum, Natur, Infrastruktur und unterschiedlichen Interessensgruppen strukturiert anzugehen. Damit wird die Koordinationsrolle von Vorarlberg Tourismus konkret greifbar: Der Leitfaden dient als gemeinsamer Referenzrahmen für Gemeinden, Destinationen, Betriebe, Vereine und Initiativen und trägt dazu bei, dass Angebote nicht isoliert entstehen, sondern sich in ein abgestimmtes Gesamtsystem einfügen.

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